Sonne, Strand und Meer, das genossen die Kinder sehr

In der letzten Woche machten wir einen besonderen Ausflug mit den Kindern, bevor das Center anschließend für einen Monat über Weihnachten schloss. Wir wollten gemeinsam einen Tag am Strand verbringen, denn viele Kids haben das Meer noch nie gesehen. Leider ist die Anzahl der verfügbaren Plätze in unserem Kleinbus begrenzt, sodass wir nur 13 Kinder mitnehmen konnten. Wie entscheidet man fair, wer mitkommen darf und wer nicht? Das ist unmöglich!

Also machten wir eine Art soziales Experiment. Vom Sinterklaasfest waren noch einige Wassereis übrig geblieben. Wir hatten sie für die Kinder besorgt und deshalb durften auch sie darüber mitentscheiden, was mit dem Eis geschah. Wir wollten es den erwachsenen Township Bewohnern als Nachtisch schenken, die zweimal in der Woche zu unserer Suppenküche kamen. Die Durchschnittstemperatur im Dezember liegt bei 26 Grad, die Menschen warten lange in der Hitze, um ihr Essen zu bekommen. Da wäre so eine erfrischende Geste in der Weihnachtszeit eine wirklich tolle Sache. Nachdem Theodore, unser Manager, noch einige Dinge zum Thema Nächstenliebe, Geben und Nehmen mit den Kindern besprach, bekamen die Kinder alle ihr Wassereis. Nun durften sie selbst entscheiden ob sie dieses behielten oder es in die bereit gestellte Box spendeten und so jemand anderem eine Freude damit machten. Es war super interessant zu beobachten, wie die Kinder sich unterschiedlich entschieden. Gerne hätte ich gewusst, mit welchen Beweggründen sie agierten und ob sie morgen vielleicht anders entscheiden würden. Teilen ist nicht einfach und es gehört ein Lernprozess dazu. Zunächst scheint es vielleicht richtig, alles für sich zu behalten und somit selbst die größte Freude daran zu erfahren. Aber eigentlich kann durch Teilen die Freude verdoppelt werden, man kann sich mit jemandem zusammen über eine Sache freuen und der Genuss ist umso schöner. Die Kinder kommen aus Verhältnissen, in denen Teilen nicht unbedingt vorgelebt wird. Die Familien leben am Existenzminimum, haben oft Nöte sich selbst zu versorgen und dadurch entsteht eine ‚Ich denke erstmal an mich selbst‘ Mentalität. Mit diesem Hintergrundwissen war ich natürlich besonders stolz, dass der Großteil der Kinder ihr Eis in die Box legten und verzichteten. Zu beobachten war, dass primär Mädels ihr Eis abgaben und die Jungs es tendenziell eher behielten. Aus den Kindern, die ihr Eis gespendet hatten, suchten wir dann 13 aus, die mit einem Ausflug zum Strand belohnt wurden.

Ich freute mich total auf diesen Tag, die Möglichkeit den Kindern die Einzigartigkeit der Natur zu zeigen und sie hautnah zu erleben. Dennoch war ich mir natürlich auch der Verantwortung bewusst, 13 Nicht-Schwimmer zu betreuen und stets alles im Blick zu haben. Glücklicherweise hatten wir acht Betreuer im Gepäck, was die Aufsicht der Kleinen deutlich vereinfachte. Endlich ging es los: Der Bus voller aufgeregter Kinder, die ein Eis schleckerten. Dazu gute Laune Musik, die aus den Boxen strömte und den gesamten Bus füllte. Die Sonne lachte vom Himmel und schien durch die Fenster. Nach einem kurzen Stop an der Tankstelle, führte unser Weg durch die Berge. Die Kinder schauten ganz gebannt aus dem Fenster, ließen ihre Blicke schweifen und es wurde sich ganz angeregt ausgetauscht. Bei der Ankunft hatten wir zunächst einen kleinen Zwischenfall: Einem Mädchen war durch die kurvige Fahrt ganz übel geworden, sodass sich ihr verdautes Frühstück kurzer Hand der Erdanziehungskraft hingab. Folgend ging es aber heiter weiter… Nachdem ich die Mädels beim umziehen betreute, ihnen beim eincremen half und mit Fragen übers Meer gelöchert wurde, ging es endlich los. Zuerst wurde die Wassertemperatur mit den Füßen abgecheckt, dann trauten sie sich bis zur Kniekehle rein zu gehen. Bei der ersten großen Welle liefen sie kreischend zurück, wohingegen sich die Jungs direkt mit dem ganzen Körper hinein stürzten. Manche trauten sich nur Hand in Hand ins Wasser, waren ganz angespannt und brauchten mehr Zeit um sich zu akklimatisieren. Ich war ganz mitgerissen von der Euphorie und der Faszination der Kinder, sie waren so vertieft in die Wahrnehmung ihrer Umgebung und den ganzen Eindrücken. Manchmal weiß man großartige Begebenheiten nicht mehr richtig zu schätzen, weil man sie des öfteren erlebt hat. Das ist unglaublich schade, ich würde gelegentlich gerne die Welt durch Kinderaugen wahrnehmen. Völlig versinken, mich polarisieren lassen und mit all meinen Sinnen erfahren.

Mittags machten wir ein kleines Picknick, es gab Sandwiches, Muffins und einen Cooldrink für jedes Kind. Dann wurde sich am Strand gesonnt, mit dem Ball gespielt und der Versuch des Schwimmens gestartet. Abermals machte ich die Bewegung zum Brustschwimmen vor und es wurde ganz eifrig probiert, diese nachzuahmen. Ich leistete zu Beginn noch Hilfestellung, indem ich sie unterm Bauch stützte und sie sich so auf ihrer Bewegung konzentrieren konnten. Das klappte schon ganz gut. Besonders gerne stellten sie sich ins Wasser und sprangen bei jeder Welle in die Höhe. Es war so erfüllend dabei zuzuschauen, wie glücklich und losgelöst sie schienen. Sie genossen diesen Tag so sehr, dass ich mir sehnlichst wünschte, allen Kindern so eine Möglichkeit bieten zu können.

Bevor wir uns auf den Heimweg machten, bekam jedes Kind noch ein Softeis. Es war ganz still geworden auf den Rückbänken, sodass ich einen Blick nach hinten warf. Tatsächlich waren alle Kids eingeschlafen. Der Tag hatte ihnen Energie geraubt, aber ihr Herz mit Erinnerungen gefüllt. Ich war froh, dass alles so reibungslos geklappt hatte, als wir durch das Eingangstor des Oratoriums fuhren. Es war so ein schöner Tag gewesen, den ich nun mit einer dringend benötigten Dusche beendete…

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