Die Garden Route – entlang der Südküste

Nachdem das Center am 13. Dezember das letzte Mal geöffnet hatte, war es folgend für einen ganzen Monat geschlossen. Dieser freie Monat stand uns Freiwilligen zur freien Verfügung, es waren unsere einzig vorgesehenen Ferien. Die Vorfreude auf die ganzen geplanten Reisen war riesig. Tatsächlich hatten wir vor, den ganzen Monat durchgehend zu reisen, dieses atemberaubende Land kennenzulernen, zu genießen und zu erfahren. Wir wollten so viel wie möglich mitnehmen: Unser Herz mit einmaligen Eindrücken, unseren Geist mit vielfältigen Erfahrungen und unsere Fotogalerie mit tollen Erlebnissen füllen.

Als der Rucksack gepackt, der Mietwagen abgeholt und das Oratorium verabschiedet war, konnte es endlich losgehen. Das Wetter beschrieb meine Stimmung: die Sonne lachte vom strahlend blauen Himmel und die Temperaturen waren angenehm warm. Bevor wir uns auf den Weg machten, genehmigten wir uns noch Burger und Pommes, weil das nämlich so gesund ist… Dann ging es endlich los mit der Reise auf der weltbekannten Garden Route. Unser erster Stop war Mossel Bay, welches die Bucht bezeichnet, an der die Stadt liegt. Ihren heutigen Namen hat die Stadt aufgrund der vielen Muscheln in der Bucht. Dort übernachteten wir in einem ziemlich zentral gelegenen Hostel, verbrachten einen Tag am Strand, bummelten durch die Stadt und kochten unser liebstes Menü: Gemüsepfanne. Mossel Bays Küste ist vor allem für Haie bekannt, sodass ich nicht allzu tief ins Meer schwimmen gegangen bin. Außerdem waren wir im Bakgat feiern und hatten eine faszinierende Aussicht von der zuvor bestiegenen Klippe.

Anschließend ging es weiter nach Port Elizabeth, wo wir nur eine Nacht verbrachten. Jonas Freund Marius machte dort eine Safari, die wir schon im Oktober gemacht hatten. An der Promenade von PE gab es eine Reihe von gut besuchten Clubs, sodass wir den Abend mit tanzen, quatschen und trinken verbrachten. Auf dem Weg zum Nachtleben kamen wir an der „HAPPY VALLEY“ vorbei. Dieser Straßenname beschrieb zu 100 Prozent meinen Gefühlszustand, ich freute mich so sehr auf das Reisen und war so glücklich im Projekt. Happy Janneke 🙂

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Jeffreys Bay, dem Surfparadies schlechthin. Das Hostel, in welchem wir zwei Nächte schliefen, war mehr als nur traumhaft gelegen. Man konnte sich ganz entspannt in die Hängematten zurückziehen, das Meer beobachten und den rauschenden Wellen zuhören. Nachdem wir uns erst auf eigene Faust Bretter und einen Neoprenanzug ausliehen, uns selbstständig in die Wellen stürzten, entschieden wir uns anschließend für einen Surfkurs. Unser Lehrer war nett und gutaussehend, eben genau so, wie man sich so einen Surflehrer vorstellt… Nach der Einführung am Strand und einigen Übungen auf unseren Brettern, durften wir dann ins Meer. Es war extrem, was für eine Kraft die Strömung und die Wellen hatten. Anstrengender als das surfen an sich, war das rausschwimmen ins Meer. Mit jeder Welle wurde ich wieder und wieder zurückgerissen und kam kaum voran. Ziemlich frustrierend. Ich versuchte mir die Anweisungen des Surflehrers wie ein Mantra vorzusagen, vergebens. Er fragte mich, ob ich früher in der Schule auch nie zugehört und aufgepasst hätte. Die Investition in einen Kurs hatte sich auf jeden Fall gelohnt, aber um deutliche Fortschritte zu bemerken, musste und wollte ich beim Thema surfen definitiv dran bleiben. Also setzte ich es mir als einen Vorsatz, in meinem Jahr in Südafrika surfen zu lernen.

Weiter ging es nach Plettenberg Bay. Dort nächtigten wir in einem sehr alternativen und spirituellen Hostel, es lag relativ abgelegen in einem Wald und bot eine unvergleichliche Idylle. Soweit das Auge auch blickte, wir waren umgeben von Bäumen und Pflanzen, wie wunderschön und erholsam die Natur doch sein konnte. Im Natures Valley gingen wir wandern und zur Belohnung bot sich uns eine einmalig schöne Aussicht vom Gipfel des Berges. Zur Erfrischung gingen wir danach noch eine Runde im indischen Ozean schwimmen. Abends sind wir dann noch Spanisch essen gewesen, für mich gab es lekker Tortillas mit Guacamole.

Zudem haben wir in Tsitsikama die höchste Bungee Jumping Brücke der Welt besucht. Die Bloukrans Bridge ist 216 Meter hoch und bietet 160 Meter freien Fall in vier Sekunden. Die gesamte Aktion ist ziemlich cool aufgezogen: Erst fährst du mit einer Zipline zum Ausgangspunkt, dabei kannst du unter dir bereits die tiefe Schlucht sehen. Zum Mutmachen erwartet dich laute Technomusik von einem DJ-Pult. Natürlich haben wir uns das ganze Spektakel nur aus der Ferne angeschaut. Man muss schon ganz schön verrückt sein, um solch einen Sprung zu wagen, dachte ich. Jonas selbst hatte den Sprung schon zweimalig gemacht, Luis spielte mit dem Gedanken… Für mich kam das nicht in Frage, bis ich mich dann doch auf etwas vergleichbares einließ.

An Heiligabend dem Himmel so nah

Nach längerem Hin und Her war es dann am Heiligabend für Luis und mich soweit. Ein Tandem Fallschirmsprung aus 3000 Metern Höhe an der Küste von Plettenberg Bay. Schon auf der Fahrt zu dem privaten Flugplatz wurde mir ganz mulmig zumute… Wie konnte ich nur so bescheuert sein und mich zu so etwas überreden lassen. Sichtlich angespannt betrat ich die kleine Hütte, in der wir ein Formular ausfüllen mussten. Obwohl ich vor zwei Minuten erst auf der Toilette gewesen war, hatte ich das Gefühl, schon wieder zu müssen. Nachdem wir unsere Ausrüstung bekamen, verging noch etwas Zeit, bis unsere Einführung begann. Dann ging es auch schon los… Mein Partner fing an Scherze zu reißen: Meine Ausrüstung wäre eigentlich schon ausrangiert worden, weil sie nicht mehr zuverlässig taugen würde. Ich lachte angespannt, sowas konnte er doch nicht mit mir machen. Außerdem beteuerte er, dass er nur noch einen Sprung bräuchte, bis er seinen Tandemsprung-Schein hätte und ich sein erster Versuch sei. Luis hatte seinen Spaß und ich wäre am liebsten wieder umgedreht. Wir stiegen in das Flugzeug ein und mein Gemütszustand änderte sich rasant. Ich war auf einmal völlig entspannt, genoss die traumhafte Aussicht und konzentrierte mich auf die absolute Einzigartigkeit dieses Landes. Ich hätte noch Stunden so rumfliegen können… Dann gab es letzte Absprachen, die Tür öffnete sich, in Luis Gesicht war Angst geschrieben und weg war er. Dann war unser Team an der Reihe, ich atmete tief ein und aus und dann erfuhr ich, was fliegen bedeutet. 30 Sekunden freier Fall, schreien vor Glück, die ganze Welt umarmen wollen. Der Begriff Freiheit bekam eine ganz neue Definition. Ich war so überwältigt, das Leben ist jeden Tag so lebenswert. Dann durfte ich sogar den Fallschirm steuern, so ganz geheuer war es mir jedoch nicht, das Leben zweier Menschen in der Hand zu haben. Ich war völlig vertieft ins Begreifen und Erfassen der Umgebung, die neue Perspektive ließ mein Herz pochen und ich hatte kribbeln im Bauch. Verliebt in das Leben! Nach dem Adrenalinkick ging es dann wieder Richtung Oudtshoorn. Schließlich war es Weihnachten und das wollte ich in meinem neuen Zuhause feiern. Gesëende Kersfees almal!

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