Afrika wie aus dem Bilderbuch – Roadtrip durch Namibia

Jeder Abschied ist gefolgt von einem Neuanfang. Nach unglaublich aufregenden, turbolenten und außerordentlich lustigen vier Monaten, mussten wir uns von unserem Mitfreiwilligen Jonas, aka Papipap, verabschieden. Gemeinsam hatten wir so viel erlebt, gesehen, gelacht, philosophiert, gearbeitet, bei 40˚ geschwitzt, das Wochenende genossen, Gemüsepfanne gekocht, miteinander gelebt und schließlich das Jahr 2019 beendet, nun gingen wir verschiedene Wege. Jonas in Deutschland und unser nächstes Abenteuer führte uns nach Namibia.

Also starteten wir Anfang Januar mit dem Flieger aus Kapstadt, flogen über die Wüste bis nach Windhuk, der Hauptstadt Namibias. Dort wurden wir allerliebst von unseren mundus-Mitfreiwilligen Tom und Sebastian begrüßt. Breit grinsend und mit zwei Schildern, worauf Luis‘ und mein Name geschrieben war, standen sie in der Empfangshalle. Ich freue mich, bekannte Gesichter und ein fremdes Land. Nachdem wir unser Gepäck in das Auto geladen haben, welches von einem gesprächigen Taxifahrer gefahren wird, fahren wir ins Zentrum von Windhuk. Die Stadt ist schlicht und irgendwie unspektakulär für eine Hauptstadt. Angekommen im Hostel, welches total liebevoll und gemütlich eingerichtet ist und sogar einen Pool, eine Hängematte und Liegen hat, sehe ich endlich meine beiden Mädels Hanna und Julia wieder. Es gibt so viel zu bequatschen, debattieren und beratschlagen. Ich merke, wie sehr mir der weibliche Austausch gut tut und mir gefehlt hat. Wir verbringen vier Tage in unserer mundus-Gruppe: Gehen wandern im Daan-Viljoen-Wildpark und sehen dort Giraffen in freier Wildbahn. Abends kochen wir zusammen, hören laut Musik und tauschen uns über bis jetzt gesammelte Erfahrungen aus. Am 4. Januar wecken wir Tom mit einem Kuchen voller Kerzen, er hat Geburtstag und wird endlich 19 Jahre! Wie schön, dass wir an diesem besonderen Tag beieinander sein, so fern von Deutschland und feiern können. Ich selbst habe es als so bedeutend, außergewöhnlich, ganz unvergleichlich wahrgenommen, meinen Geburtstag in einem neuen Kontext zu zelebrieren und mich dabei so glücklich und unbeschwert zu fühlen. Wer kann schon behaupten, den Beginn des 19. Lebensjahr auf dem afrikanischen Kontinent gefeiert zu haben? 11.727 km weit von Deutschland entfernt und trotzdem sind einige Straßenbeschilderungen deutsch, manche Läden tragen einen deutschen Namen. Die Spuren der Kolonialisierung sind deutlich zu erkennen, es kommt mir fremd und komisch vor, irgendwie falsch. Wir bummeln ein wenig durch die Einkaufspassage. Ich entdecke mir bekannte Produkte: Haribo Gummibärchen, Milka Schokolade und vieles mehr. Auch wenn ich das alles schon lange nicht mehr gegessen hab, besteht kein Drang dazu und außerdem wird durch den meilenweiten Import der Preis der Waren absolut unermesslich. Wir genießen das gute Wetter, entspannen am Pool und erfrischen uns zwischendurch. Ich unterschätze die namibianische Sonne, sodass ich einen extremen Sonnenbrand bekomme. Die Farbe rot nimmt in diesem Zusammenhang eine ganz neue Dimmension an. Notiz an mich selbst: Wer es mit dem Wunsch braun zu werden übertreibt, erhält eben direkt die Quittung für diese Blödheit.

Nach den gemeinsamen Tagen, spaltet sich die Gruppe. Tom, Luis und ich haben ein Erlebnis der ganz besonderen Sorte vor uns: Ein zehntägiger Roadtrip durch Namibia. Bestens, ja ganz lückenlos geplant und vorbereitet von unserem Reiseführer Tom. Ich wollte unbedingt eine richtige Wüste sehen, wenn ich schon einmal in Afrika bin und freute mich wie ein kleines Kind auf die uns bevorstehende Reise. Extrem cool finde ich auch die Art und Weise des Reisens. Wir haben einen Pick-Up gebucht, ausgerüstet mit zwei Dachzelten, Stühlen und einem Tisch, einem Gaskocher, Geschirr, Töpfen, einem Kilometerstand von 753 km und minimalem Treibstoff im Tank. Diese ultimative Kombination hat zur Folge, dass wir bereits auf der ersten Strecke von Windhuk bis zur Maltahöhe mitten im Nichts liegen bleiben. Es ist bereits später Nachmittag, ich steuere das Auto und die Stimmung der Urlauber ist gut, bis plötzlich kein Antrieb mehr kommt, obwohl ich das Gaspedal bis zum Boden durchtrete. Ratlosigkeit macht sich breit, eng gefolgt von Panik, da wir uns inmitten einer Steppe befinden und der Urlaub nicht einmal richtig begonnen hat. Die Jungs gönnen sich erstmal ein Bierchen, denn ändern können wir scheinbar nichts… Nach einigem hin und her bekommen wir endlich Verstärkung. Die Männer befassen sich intensiv mit dem Fahrzeug, während sich der schönste Regenbogen, den ich jemals gesehen habe, am wolkenbedeckten Himmel abzeichnet. Als schicke uns Gott ein Zeichen, dass alles gut werden würde.

Und dem war auch so, wir wurden abgeschleppt. Die Fahrt gestaltete sich überraschend lustig & verrückt und wir konnten einfach nicht glauben, dass wir aufgrund einer kaputten Tankanzeige direkt zu Beginn des Trips eine Panne hatten. An der Tankstelle angekommen wurde erstmal ordentlich aufgetankt. Jetzt konnte es wieder bergauf gehen. Pustekuchen! Der vermeintlich gebuchte Campingplatz schien nicht zu existieren, wir hatten Hunger bis zum umfallen und stockfinster war es mittlerweile auch. Und auch wenn es irgendwie nur drüber und drunter zu gehen schien, war der erste Abend und die erste Nacht in den Zelten einmalig. Man konnte bei klarem Himmel die Sterne beobachten, das war so wunderschön. Das Geräusch wenn der Regen auf das Zelt tröpfelte war so beruhigend wie ein meditatives Lied. Nur länger als 12 Uhr morgens konnte man es dort nicht aushalten, sonst drohte man zu verbrennen oder ersticken. Die Sonne hatte so eine Power und heizte unser Schlafgemach binnen weniger Stunden aufs Extremste auf.

Ich war verblüfft von der Schönheit der trockenen Natur. Konnte mich nicht satt sehen, an dieser überragenden Idylle, die durch die meilenweite Wüstenlandschaft ausgestrahlt wurde. Es war so, als wäre die Zeit hier stehen geblieben, vollkommene Stille um mich herum, der Wind strich zaghaft über mein Gesicht. Verloren an diesem unendlich einsamen Ort. Meine Füße kommen inmitten des Sandes nur mühsam voran. Ich bleibe stehen, versuche dieses Erlebnis in mir aufzunehmen und für immer und ewig in meinem Herz zu speichern. So eindrucksvoll und konträr zu dem, was ich bisher gesehen habe. Diese Welt ist absolut vielfältig und trotzdem einmalig.

Wir sind extra ganz früh morgens aufgestanden, um die Sonne aufgehen zu sehen. Ziel war es die Dune 45 hochzuklettern und dann die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf der Düne zu begrüßen. Der Sand ist noch ganz kalt, der Morgentau ist noch nicht verdunstet, während wir uns etwas verschlafen auf den Weg machen. Leider sind wir an der berühmten 45 vorbeigefahren und haben verpasst, früh genug abzubiegen. Aber das war dann auch egal, jede Düne bot ihren eigenen Charme. Es war wirklich magisch, wie die Strahlen sich allmählich hinter den riesigen Sandbergen empor schienen und alles in ein goldenes Licht tauchten. So saßen wir also da, ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen, lauschten den ersten Vögeln und genossen das Leben. Irgendwie war es besonders, wenn wir uns gemeinsam den Sonnenauf- oder untergang anschauten. Das geschah zwar jeden Tag, aber so beeindruckend, faszinierend, ja einfach perfekt, war es nur hier.

Unsere Route führte uns nach Swakopmund, wo wir an der Küste waren und endlich Meer sehen konnten. Nachdem wir ein wenig durch die Stadt geschlendert sind, gab es leckere Pizza. Gemacht aus lokalen Produkten, geschmeckt als wäre sie von Giovanni höchstpersönlich. Zufälligerweise trafen wir in unserem Hostel einen Deutschen, mit dem wir bereits in Windhuk ein paar Worte gewechselt hatten. Der Atlantik war richtig kalt, noch viel kälter als der indische Ozean. Deswegen gingen wir nur mit den Füßen ins kühle Nass, ließen uns von den wellen jagen und schrieben geheime Botschaften in den Sand, welche die Flut mit sich riss. Am nächsten Tag gab es dann das Highlight, auf das sich vor allem die Jungs enorm freuten: Quad fahren in der Wüste. Es war gar nicht so einfach dieses Gefährt im Sand zu manövrieren. Trotzdem hat es mega viel Spaß gemacht, auch wenn ich jetzt nicht so übermütig gecruist bin. Der Ort, an dem die Wüste das Meer küsst, ist unbeschreiblich. Zwei riesige Naturgewalten treffen aufeinander. Eines gegensätzlicher als das andere. Trockenheit vereint sich mit Wasser. So äquivalent und genau deshalb einfach außerordentlich spektakulär. Zuletzt haben wir dann in der Ugab Terrace Lodge übernachtet und sind am nächsten Morgen mit der weltweit längsten Zipline gefahren. Dabei waren wir mit einem Gurt an einem Stahldraht befestigt und konnten so 880 m und 630 m über die Vegetation gleiten und dabei einen fabelhaften Ausblick genießen. Der Trip durch Namibia war auf jeden Fall mit das schönste Erlebnis, was das Reisen betrifft. Trotzdem habe ich mich nach dieser langen Zeit unheimlich auf das Center, meine Schätze und die Arbeit gefreut. In knapp einem Monat ging es nämlich schon auf das Zwischenseminar nach Kleinmond. Unglaublich, wie schnell die Zeit verging. Jetzt war ich schon fünf Monate hier und konnte es kaum abwarten, viele weitere tolle und außergewöhnliche Dinge zu erleben.